Gedenkort für die Worpsweder Opfer im Nationalsozialismus

Dieser Gedenkort wurde zur Erinnerung an Frauen, Männer und Kinder aus Worpswede errichtet, die im Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 wegen ihrer jüdischen Herkunft, im Rahmen des sogenannten „Euthanasie“-Programmes, aus politischen oder aus anderen Gründen ermordet oder in den Tod getrieben wurden.

Wir gedenken der Opfer, die in Worpswede geboren wurden oder dort in der Zeit des Nationalsozialismus gelebt haben. Der Gedenkort soll an diese Personen erinnern und ihnen so ein Stück ihrer Würde zurückgeben.

Auch ist es ein Platz, der die Erinnerung an die erschütternden Morde der Zeit zwischen 1933 und 1945 wach hält und aufruft: „Seid Menschen!“ (Margot Friedländer).

Der Gedenkort wurde 2025/2026 auf Initiative der Arbeitsgruppe „Aufarbeitung der NS-Zeit in Worpswede“ und mit Unterstützung der Gemeinde Worpswede errichtet. Durch Aktivitäten und Spenden waren viele Privatpersonen, sowie Vereine und Einrichtungen daran beteiligt.

Biografien der Opfer

Rosa Abraham, geb. Lösermann

geboren am 10. Dezember 1872 in Bürstadt/Hessen

gestorben am 23. September 1942 in Treblinka

Rosa Abraham, geboren am 10. Dezember 1872, war eine Worpsweder Bürgerin und lebte viele Jahrzehnte am heutigen Udo-Peters-Weg. Sie wurde 1942 als Jüdin vom nationalsozialistischen Staat nach Theresienstadt verschleppt und bald danach in Treblinka ermordet. Auch weitere Mitglieder der Familie Abraham wurden Opfer der Nazi-Verfolgung.

Über Rosa Abraham und ihre Familie lässt sich Folgendes berichten:

Im Jahre 1855 lässt sich der jüdische Schlachter Michael Abraham, der spätere Schwiegervater von Rosa Abraham, in Worpswede nieder. Er stammt aus Niederurff in Hessen und hatte bei dem jüdischen Klempner und Schlachter Isaak Steckler, der 1824 in Worpswede im Haus Nr. 46 (heute Findorffstraße 6) geboren worden war, gearbeitet und nach dessen Tod dessen Witwe geheiratet.

Michael Abraham, der im Haus Nr. 31 a in der heutigen Hembergstraße in Worpswede mit seiner zweiten Frau und zehn Kindern gelebt hat, war ein angesehener und im Dorf gut integrierter Mann. Einige der Kinder Abrahams wandern in die USA aus. Seine Tochter Merri (geboren 1863) zieht nach ihrer Heirat zu ihrem Mann, dem Viehhändler Harry Leeser, nach Bremervörde, die Tochter Johanne (geboren 1870) heiratet den Viehhändler Josef Sanders in Kaldenkirchen, die Tochter Sophie (geboren 1879) wohnt nach ihrer Eheschließung mit ihrem Mann, dem Gastwirt August Schwabe, in Vegesack.

Michaels Sohn Hermann (geboren 1860) bleibt in Worpswede und übernimmt 1885 nach dem Tod des Vaters das Haus und die Schlachterei. Im Jahre 1891 heiratet er Rosa Lösermann aus Bürstadt in Hessen. 1908 zieht das Paar mit den Kindern Henny und Hugo in das Haus Nr. 37 im heutigen Udo-Peters-Weg 8, in dessen Nebengebäude Hermann seine Schlachterei und den Laden einrichtet. 1923 stirbt Hermann Abraham mit 63 Jahren. Der Sohn Hugo lebt nach seiner Heirat in Delmenhorst, von wo seine Frau Alma Rieke stammt.

Henny bleibt mit ihrem Mann Julius Goldschmidt zunächst im Worpsweder Elternhaus, in dem das Paar ein Textilgeschäft betreibt. 1930 ziehen die Goldschmidts mit ihrem Sohn Siegfried nach Bremen um. Seit diesem Jahr lebt Rosa Abraham ohne Familienangehörige in der oberen Wohnung des Hauses im heutigen Udo-Peters-Weg, hat alle anderen Zimmer des geräumigen Hauses vermietet, und die Ländereien, die sie zum größten Teil ihrem Sohn übertragen hat, sind verpachtet. Ihre Tochter Henny und der Enkel Siegfried wandern 1934 und 1935 unter dem Druck der Judenverfolgung im nationalsozialistischen Staat, der zu einem Boykott ihres Geschäftes in Bremen geführt hat, in die USA aus. Der Schwiegersohn Julius Goldschmidt geht 1935 nach Südafrika ins Exil. 1938 verlässt auch der Sohn Hugo mit seiner Familie Deutschland in Richtung USA.

Im selben Jahr beginnt die systematische Ausgrenzung und Ausplünderung von Rosa Abraham. Sie muss ihren Schmuck und andere Wertgegenstände zu einer Pfandleihe bringen und den größten Teil ihrer Einrichtung zu Schleuderpreisen verkaufen. 1939 muss sie ihr Haus zum halben Preis seines Wertes an einen Schornsteinfegermeister in Lilienthal weggeben. Das Geld geht auf ein Sperrkonto, zu dem sie keinen Zugang hat. Die Ländereien ihres Sohnes Hugo werden zum größten Teil enteignet. Die jahrelangen Versuche Rosa Abrahams, zu ihren Kindern in die USA auszuwandern, scheitern.

Am 18. März 1942 muss Rosa Abraham ihr Haus, in dem sie noch ein Wohnrecht hatte, verlassen und in ein „Judenhaus“ am Gröpelinger Deich 50 in Bremen-Walle ziehen. Dort wohnt nun auch ihre verwitwete Schwägerin Sophie Schwabe aus Vegesack. Die Schwägerin aus Bremervörde, Merri Leeser, lebt nach dem Tod ihres Mannes seit 1936 im jüdischen Altersheim in Bremen-Gröpelingen. Alle drei werden am 23. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, ebenso Johanne Sanders, die von Düsseldorf aus nach Theresienstadt kommt. Merri Leeser stirbt dort am 06. September 1942, Sophie Schwabe am 14. März 1943. Johanne Sanders und Rosa Abraham werden im September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort am 21. bzw. 23. September umgebracht.

Text: Anning Lehmensiek (2018)

 

Quellen:

Staatsarchiv Bremen: StAB 4.54-E4471
Nds. Landesarchiv Stade: NLA Stade, Rep. 171 Verden Nr. 49, 215 und 216
Lehmensiek, Anning: Juden in Worpswede. Hrsg. Bernd Küster und Harro Jenss (Hrsg.), Bremen 2026, 2. Aufl.
https://www.spurensuche-kreis-osterholz.de/spur/rosa-abraham-worpswede

Berend Beisner

geboren 20. Februar 1896 in Ritterhude

gestorben 31. Oktober 1944 in Pfafferode (Mühlhausen/Thüringen)

Dem Landwirt Berend Beisner, wohnhaft in Waakhausen-Viehland (jetzt Worpswede), verheiratet und Vater von zwei Kindern, wird am 06.Januar 1943 vom Staatlichen Gesundheitsamt eine angebliche Gefährdung für seine Umgebung attestiert. Er befindet sich wegen eines „starken Erregungszustandes“ in der Bremer Nervenklinik Ellen.

Bereits zweimal wurde Berend Beisner wegen „symptomatischer Psychose, depressiver Reaktion und Schizophrenie“ hier eingewiesen.

Am 08. Januar 1943 ordnet der Landrat des Landkreises Osterholz auf Empfehlung des Amtsarztes, die Unterbringung in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg an, da von ihm eine Gefahr für das Leben der Ehefrau und des Schwiegervaters ausgehe. Die Ehefrau gibt an, dass ihr Mann seit April 1942 unter „ Seelenstörungen“ leide. Er sei „misstrauisch, unzufrieden und erregbar“. Ursachen hierfür werden nicht genannt. Der Fragebogen zur Anamnese wird vom Bürgermeister Waakhausens beglaubigt und der Hinweis auf Gemeingefährlichkeit bestätigt. Eine Unterbringung in Lüneburg wird auch von ihm befürwortet. Die Einweisung in die Anstalt Lüneburg erfolgt am 15. Februar 1943.

Aus der Mitteilung über das Ableben des Berend Beisner geht hervor, dass er am 8. September 1943 in die Landesheil- und Pflegeanstalt Pfafferode /Th. verlegt wurde und dort am 31. Oktober 1944 verstarb.

In einem Schreiben vom 12. November 1944 bittet die Witwe Beisner um Informationen zur Todesursache und zum Sterbeverlauf. Man versichert ihr, dass ihr Mann keinen langen Todeskampf führen musste. Über die Todesursache gibt es keine Informationen.

Da das Telegramm mit der Todesnachricht Waakhausen erst fünf Tage nach der Beisetzung erreichte, bat die Witwe darum, am Grab ihres verstorbenen Mannes einen Kranz niederlegen zu dürfen.

Die Antwort aus Pfafferode lautet, dass man am Totensonntag die Gräber aller dort Verstorbenen mit Blumen schmücken werde.

Text : Brigitta Rehage (2025)

 

Quellen; Thüringer Archiv/ThürArchivG,StA Gotha, Patientenakte Landes-Heilanstalt Pfafferode
Landkreis Osterholz: Kreisarchiv Osterholz
Mail-Korrespondenz mit „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg e.V.

Gesine de Carné, geb. Stelljes

geboren am 08. September 1891 in Hüttenbusch

gestorben am 02. Februar 1944 in Meseritz-Obrawalde

Gesine de Carné, geborene Stelljes wurde in Hüttenbusch (jetzt Worpswede) am 08. September 1891 geboren. Die evangelische Haustaufe fand laut Kirchenbüchern am 19. September 1891 statt. Später gehörte sie wahrscheinlich einer Freien Kirchengemeinschaft an. Ihre Eltern waren der Anbauer Dietrich Stelljes und seine Ehefrau Anna, geborene Maier. Die Familie lebte in Hüttenbusch Nr. 28.

Nach der Schulzeit arbeitete sie als kaufmännische Gehilfin bzw. als weibliche Angestellte, wahrscheinlich in Bremen.

Im Jahre 1912 heiratete sie den Handlungsgehilfen Henry de Carné (geboren 1885 in Bremen). Ein Jahr später – 1913 – kam ihre Tochter Marie-Louise zur Welt, die später als Kunsthandwerkerin arbeitete. Zunächst wohnte die Familie in Bremen in der Geestemünder Straße 25. Dann bezogen sie ein eigenes Haus in der Langeooger Straße 45.

Gesine de Carné wurde zwischen 1930 und 1942 zehnmal in die Bremer Nervenklinik gebracht, weil Ehemann und Tochter mit ihrer Pflege zu Hause überfordert waren. Meist zeigte sie in der Klinik ausgeprägte Zeichen einer manischen Wesensveränderung; später traten halluzinatorische Phasen hinzu. Ihr Mann hatte sie in all den Jahren immer wieder nach Hause geholt, um einen erneuten “Versuch“ des Lebens außerhalb einer Klinik zu wagen. Zwischenzeitlich war sie auch in stationärer Sanatoriumsbehandlung gewesen.

Nach der Bombardierung der Bremer Nervenklinik Ende November 1943 wurde sie am 09. Dezember 1943 in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde (heute Polen) „verlegt“. Auf ihrem Krankenblatt aus dieser Anstalt ist im Januar 1944 eine Aussage von ihr vermerkt: Hierher sei sie gekommen, „weil es hier so schön ruhig sei. In Bremen sei es furchtbar gewesen“. Sie verstarb am 02. Februar 1944 angeblich an „Herzschwäche bei Grippe“. Gesine de Carné wurde 52 Jahre alt.

In der Langeooger Straße 45 in Bremen wurde für sie ein Stolperstein verlegt!

Text: Peter Christoffersen/Burckhard Rehage (2025)

 

Quellen:
Archiv Krankenhaus-Museum Bremen: Krankenakte 16 970
Landkreis Osterholz: Kreisarchiv Osterholz
Kirchenbücher Worpswede: „Verzeichnis der Getauften 1887 – 1898“, lfd.Nr. 127/1891
Todeslisten Meseritz-Obrawalde
Christoffersen, Peter/Johr, Barbara (Hrsg.): Stolpersteine Bremen.
Biografische Spurensuche Findorff/Walle/Gröpelingen, Bremen 2019

Meta Gartelmann

geboren am 23. September 1919 in Worpswede

gestorben am 19. August 1944 in Meseritz-Obrawalde

Meta Gartelmann wurde als Tochter des Landarbeiters Heinrich Gartelmann und seiner Ehefrau Metta Gartelmann, geb. Lohmann, geboren.

Die Taufe erfolgte am 16. November 1919 in der Zionskirche, Worpswede. Meta Gartelmann besucht acht Jahre die Schule in Worpswede und arbeitet danach bei verschiedenen Bauern. So ist sie u.a. als Hausangestellte bei Bauer Runge in Oberende (jetzt Lilienthal) und später als Landarbeiterin bei Landrat Fehsenfeld in Oberblockland (Bremen) tätig.

Im Alter von siebzehn Jahren, am 15. Dezember 1935, wird Meta Gartelmann in Wesermünde (jetzt Bremerhaven) zwangssterilisiert. Das Erbgesundheitsgericht beim Amtsgericht Verden verfügt den Eingriff, da beide Elternteile als „ krank“ eingestuft werden. „ Angeborener Schwachsinn“ wird bei ihr, der Tochter eines schizophrenen Vaters (befindet sich in einer Nervenklinik) und einer „schwachsinnigen und sexuell triebhaften Mutter (inzwischen verstorben)“ diagnostiziert. Zu ihrem Vormund wird der Arbeiter Johann Behrens bestellt.

Am 18. März 1941 wird Meta Gartelmann verhaftet. Grund: Die Liebesbeziehung zu einem polnischen Zwangsarbeiter. Franz Kapusta (geboren am 05. April 1915) wird in das Konzentrationslager der Stufe 1 Dachau deportiert. Stufe 1 bezeichnete Lager, in die Häftlinge mit weniger belasteten Vergehen und guter Aussicht auf Besserung eingewiesen wurden. Franz Kapusta verstarb hier am 18. Juni 1942. Angebliche Todesursache: Darmkatarrh.

Auf Anraten des Amtsarztes Dr. Rogal wird Meta Gartelmann aus der Haft entlassen und in die Nervenklinik Bremen eingewiesen. Er bescheinigt, dass sie „hochrangig schwachsinnig“ ist und lediglich „ ihren Namen schreiben kann“. Zunächst wird sie in der Nähstube eingesetzt und dort als fleißig und umsichtig beschrieben. Dies ändert sich allerdings rapide. Bereits im Juni 1941 attestiert man ihr „unfolgsames und schwieriges Verhalten“.

Am 26. August 1942 wird Meta Gartelmann in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Uchtspringe, Sachsen-Anhalt, eingewiesen.

Am 18. März 1944 erfolgt die Räumung der Anstalt, angeblich aus „Platzgründen“.

Meta Gartelmann wird am 18. März1944 in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde (heute Polen) verlegt, wo sie am 19. August 1944 stirbt. Todesursache „Darmkatarrh, Herzschwäche“.

Meta Gartelmann wurde 25 Jahre alt.

Text: Brigitta Rehage (2025)

 

Quellen:

Nds. Landesarchiv Stade: NLA Stade Rep. 172 E Verden Nr. 353
Archiv Krankenhaus-Museum Bremen: Krankenakte Nr. 201 18
Todesliste Meseritz- Obrawalde
Patientenliste Heilanstalt Uchtspringe
Evang. Kirchengemeinde Worpswede: Taufbuch 1910 – 1930, S.128
Landkreis Osterholz: Kreisarchiv Osterholz

Hinrich Gerken

geboren am 23. Februar 1910 in Waakhausen

gestorben am 01. Januar 1944 in Weilmünster

Hinrich Gerken wurde am 23. Februar 1910 in Waakhausen (heute Worpswede) als Sohn des Viehhändlers Johann Gerken und seiner Ehefrau Gesine, geb. Mehrtens, geboren. Seine Taufe fand am 03. April 1910 in der Worpsweder Zionskirche statt.

Hinrich wurde ohne Auffälligkeiten geboren. Er lernte schnell laufen und sprach mit zwei Jahren. Da er Sehprobleme hatte, wurde er bereits im ersten Lebensjahr an den Augen operiert.

Er besuchte die Volksschule in Worpswede, konnte aber den Leistungsanforderungen der Schule nicht genügen und kam so über die erste Klasse nicht hinaus. Entsprechend lernte er weder lesen noch schreiben. Zu einer geregelten Lohnarbeit war er nicht fähig. Er half jedoch zu Hause bei der Gartenarbeit. Schon in frühen Lebensjahren wird ihm ein „Pfleger“ zugeteilt.

Entsprechend dem nationalsozialistischen „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 beantragte am 22. April 1937 das Erbgesundheitsgericht beim Amtsgericht Verden die Zwangssterilisierung des Hinrich Gerken. Begründung: „Der Vater … ist dem Alkohol nicht abgeneigt. Ein Bruder der Mutter ist Epileptiker.“ Für Hinrich lautete die Diagnose des Amtsarztes: „an Idiotie grenzender Schwachsinn, verbunden mit Sehschwäche …“. Die Unfruchtbarmachung erfolgte am 08. Dezember 1937 im Städtischen Krankenhaus Wesermünde-Geestequelle (heute Bremerhaven).

Am 11. Februar 1941 wird Hinrich Gerken in die Rotenburger Anstalt der Inneren Mission eingewiesen. Von dort wird er am 30. Juli 1941 in die Heil- und Pflegeanstalt Weilmünster in Hessen verlegt.

Zwischen 1937 und 1945 führte die Unterbringung in dieser Anstalt durch Entzug von Nahrung und durch systematische Pflegeunterversorgung zum Tod von über 6.000 Menschen.

Hinrich Gerken stirbt am 01. Januar 1944 in Weilmünster, angeblich an einer Darmentzündung. In einer Sterbeliste aus Weilmünster ist vermerkt, dass er mit der Grabnummer 2207 auf dem Anstaltsfriedhof beerdigt wurde.

Text: Burckhard Rehage (2025)

 

Quellen:

Sterbeliste Weilmünster: LWV-Archiv, B 19 Nr. 63
Nds. Landesarchiv Stade: NLA Rep. 172 E Verden Nr. 1471
Landkreis Osterholz: Kreisarchiv Osterholz

Elisabeth Hering

geboren am 30. Mai 1884 in Gelsenkirchen

gestorben am 28. September 1944 in Auschwitz

Elisabeth Hering wurde 1884 in Gelsenkirchen geboren und entstammte einer Bergmannsfamilie. Als sie in den 1910er Jahren nach Bremen kam, arbeitete sie als Verkäuferin im Textilbereich. Aus einer früheren Beziehung war eine Tochter hervorgegangen. Ab 1925 führte sie ein eigenes Textilgeschäft.

Um 1924 hatte sie Walter Steinberg kennengelernt. 1871 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Verden geboren, hatte er sich in Bremen als erfolgreicher Herrenschneidermeister etabliert.

Beide wurden und blieben ein Paar. Ab 1926 verbrachten sie viele Wochenenden in Worpswede, wo Walter Steinberg ein Sommerhaus mit angrenzendem privaten Tennisplatz in der Hembergstraße erworben hatte. Zahllose Tennispartien mit Worpsweder Freundinnen und Freunden fanden dort statt. Als Kunstkenner und Mäzen pflegte Walter Steinberg Kontakte zu Kunstschaffenden am Ort und erweiterte beständig seine wertvolle Kunstsammlung. Anzunehmen ist, dass auch Elisabeth Hering in dieser Zeit mit dem Erwerb von Kunst begonnen hatte und die Sammlung erweiterte.

Vermutlich war es 1933, als Elisabeth Hering zu Walter Steinberg in dessen Bremer Wohnung zog. Über Heiratspläne ist nichts bekannt, jedoch hätten die „Nürnberger Rassengesetze“ von 1935 ohnehin nicht nur eine Heirat unmöglich gemacht. Die Gesetze verboten ihre Partnerschaft grundsätzlich als sogenannte „Rassenschande“, weshalb das Paar in ständiger Bedrohung lebte.

Walter Steinberg traf die NS-Politik mit voller Härte. Zu den unzähligen antisemitischen Repressionen kamen die sogenannten »Judenboykotte« – auch gegen seine Schneiderei. Die Zahl der anfangs noch dreißig Angestellten verringerte sich zusehends.

In der Reichspogromnacht am 09. November 1938 wurde nicht nur Walter Steinbergs Bremer Geschäft schwer beschädigt, er wurde auch verhaftet, einen Tag später ins Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt und dort für mehrere Wochen inhaftiert.

Er überschrieb Elisabeth Hering sein Bremer Geschäfts- und Wohnhaus Am Wall 170. Auch das Worpsweder Haus wollte er noch an sie übertragen. Dies gelang jedoch nicht. Die NS-Behörden erkannten den zu diesem Zweck aufgesetzten Kaufvertrag nicht mehr an. Auch ein privater Schenkungsvertrag blieb wirkungslos.

Am 23. Juli 1942 wurde Walter Steinberg nach Theresienstadt deportiert. Dort nahm er sich eine Woche nach seiner Ankunft das Leben.

In Elisabeth Herings Wohnung in Bremen, in der sie nun allein lebte, fand am 23. Juli 1943 eine Versammlung mit insgesamt sieben Personen statt – am gleichen Tag, an dem Walter Steinberg genau ein Jahr zuvor deportiert worden war. Die Gestapo verhaftete alle Anwesenden.

Bei der Frage, wer die Versammlung verraten hatte, deutet alles auf eine Denunzierung durch die mutmaßliche Gestapo-Agentin Martha Ballach hin. Diese verfolgte das Interesse, Elisabeth Herings gut gehendes Textilgeschäft Am Wall zu übernehmen, wovon eine bei ihr angestellte Verkäuferin namens Herta Kahl ebenfalls würde profitieren können. Letztere hatte eine Liebesbeziehung mit dem SS- und SD-Funktionsträger Hermann Soeken. Die Strategie dieser Denunziation ging auf. Martha Ballach übernahm das Ladengeschäft von Elisabeth Hering, in dem nun auch der Bremer »Judenreferent« Bruno Nette und seine Gattin einkauften.

Judenreferent“ Nette verfolgte die Denunzierten gnadenlos. Elisabeth Hering warf man unter anderem vor, den „Verkehr von Ariern mit Juden“ ermöglicht zu haben. Dazu kam der Vorwurf, Eigentum eines Juden bei sich verwahrt zu haben das noch verbliebene Hab und Gut ihres deportierten Lebensgefährten Walter Steinberg. Hinter der Anklage jedoch stand der Verdacht politisch-oppositioneller Haltung.

Hugo Hering, der Bruder von Elisabeth Hering, beschrieb die damalige Situation nach der Verhaftung seiner Schwester rückblickend so:

Ich selbst bin dann sofort nach der Verhaftung meiner Schwester […] nach Bremen gefahren, um an Ort und Stelle zu versuchen, für meine Schwester noch einzutreten und nach Möglichkeit auch ihr Vermögen sicherzustellen. Das ist mir damals leider nicht gelungen. Ich hatte keinerlei Zutritt mehr zu der Wohnung meiner Schwester. Man hatte mich […] benachrichtigen lassen zwecks Abholung von Familienbildern und Familienandenken. Zu diesem Zweck erhielt ich Zutritt zu einem Raum im Erdgeschoss, Am Wall 170, wo die sämtlichen Gemälde meiner Schwester und des Herrn Walter Steinberg zusammengetragen waren.

Nach meiner Schätzung waren hier ca. 270 Gemälde zusammengetragen und zwar sowohl größere als auch kleinere. Mir wurde dann von dem Gestapo-Beamten Nette, der die Aktion durchgeführt hatte, später mitgeteilt, dass sämtliche Gemälde wie auch der beschlagnahmte Hausrat öffentlich versteigert worden sind.“

Ganz Ähnliches spielte sich in Worpswede ab. Auch hier wurde die Kunstsammlung Elisabeth Herings und Walter Steinbergs öffentlich versteigert. Das komplette Wohninventar wurde einem „bombengeschädigten Herrn R., Bremen“ übereignet. Das Worpsweder Wohnhaus war von den Bremer NS-Behörden bereits ein Jahr zuvor, kurz nach Walter Steinbergs Deportation, beschlagnahmt worden. 1944 erfolgte die Übertragung des Hauses an die Gemeinde Worpswede zwecks Einrichtung einer Dienstwohnung für den Bürgermeister.

Elisabeth Hering wurde nach ihrer Verhaftung in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert, vermutlich als „politischer Häftling“. Sie starb dort am 28. September 1944.

Am Wall 170 in Bremen wurde für Elisabeth Hering ein Stolperstein verlegt!

Text: Barbara Millies (2025)

Quellen:

Hugo Hering am 28.05.1959.10 StA Stade, Rep. 171 Verden NR. 173
Anning Lehmensiek: Juden in Worpswede. Donat Verlag, Bremen 2014
Barbara Millies: Inmitten. Spuren des Nationalsozialismus in Worpswede, heute. Kellner Verlag, Bremen 2021
Bernhard Nette: »Vergesst ja Nette nicht!« Der Bremer Polizist und Judenreferent Bruno Nette. VSA: Verlag, Hamburg 2017
Kornelia Renemann: Walter Steinberg, *1871. In: Stolpersteine Bremen 2015, URL: https://www.stolpersteine-bremen.de/detail.php?id=29 (abgerufen am 01. Dezember 2025)

Merri Leeser, geb. Abraham

geboren am 27. Dezember 1863 in Worpswede

gestorben am 06. September 1942 in Theresienstadt

Merri Leeser wurde am 27. Dezember 1863 (oder 24. Dezember 1863) in Worpswede geboren. Sie war die Tochter von Michael Abraham und Julie, geb. Behr/Bähr. Michael Abraham war ein im Dorf sehr angesehener Schlachter. Merri wuchs mit neun Geschwistern auf, unter anderem mit ihren zwei Schwestern, Johanna (*28. März 1870, verh. Sanders) und Sophie (*1879, verh. Schwabe) und dem Bruder Hermann. Sie lebten in Worpswede im Haus Nr. 31a, in der heutigen Hembergstraße. Nach dem Tod des Vaters 1885 übernahm Hermann die Schlachterei.

Merri heiratete am 15. November 1898 in Worpswede Harry Leeser, einen Viehhändler aus Bremervörde und zieht zu diesem dorthin. Harry Leeser besaß eine Viehhandlung in der dortigen Bahnhofstraße 3. Er war Vorsitzender des örtlichen Viehhändlervereins und wie sein Bruder Julius in der Schützengesellschaft aktiv. Die Ehe blieb kinderlos. Harry Leeser verstarb 1932.

Ab dem 01. November 1936 lebte Merri Leeser, schwer an Diabetes erkrankt und dadurch stark sehbehindert, im jüdischen Altersheim in Bremen-Gröpelingen (Gröpelinger Heerstraße 167). Die Kosten hierfür wurden von ihrem Schwager Julius Leeser, Bremervörde, übernommen. Julius selbst emigrierte mit seiner Familie 1939 in die USA.

Das jüdische Altersheim, die „Villa Lamcken“, war zwischen 1925 und 1942 das Altenwohnheim der jüdischen Gemeinde Bremen, es wurde zwangsweise in ein sog. „Judenhaus“ umfunktioniert. Merris Schwägerin Adele Leeser wurde 1942 als „letzte Jüdin aus Bremervörde“, ebenso in jenes „Judenhaus“ abtransportiert. 1942 wurde es zwangsgeräumt und alle Bewohner und Bewohnerinnen deportiert. Danach nutzte die Polizei das Gebäude.

Am 24. Juli 1942 wurde Merri Leeser im Alter von 78 Jahren aus Bremen in das Ghetto Theresienstadt deportiert (Transport VIII/1, Nr. 694 (24. Juli 1942, Bremen -> Hannover -> Theresienstadt). Dort starb sie wenige Wochen später – am 06. September 1942 – aufgrund der katastrophalen Lebensumstände.

Merris Schwestern Johanna und Sophie wie auch Schwägerin Adele wurden ebenso nach Theresienstadt deportiert, jedoch in verschiedenen Blöcken festgehalten. Wahrscheinlich haben sie sich in Theresienstadt nicht mehr wiedergesehen.

Johanna verbrachte man am 21. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka; sie wurde noch am selben Tag ermordet. Sophie starb am 14. März 1943 wie Merri in Theresienstadt. Merris Schwägerin Adele verbrachte man weiter nach Treblinka, wo sie gleich nach ihrer Ankunft am 29. September 1942 ermordet wurde.

Text: Dr. Kathrin Kleibl (2026)

 

Quellen:

  • Landkreis Osterholz, Kreisarchiv Osterholz (Heiratsurkunde für Merri, geb. Abraham und Harry Leeser, Worpswede 1898 Nr. 23)
  • Datenbank der Holocaust-Opfer: https://www.holocaust.cz/en/database-of-victims/victim/20502-mary-leeser/ (Zugriff: 25. November 2025)
  • Rochester Holocaust Survivors Archive, Shoa Foundation Testimony: Ursula Gonsenhauser, Shoah Video 1-3. (hier Video 2, ab Minute 1:14). https://jewishrochester-chai-archive.s3.us-east-2.amazonaws.com/individual%20Resource%20Folders/Gonsenhauser%20Ursula/Gonsenhauser%20Ursula2.html (Zugriff: 25. November 2025).
  • Elfriede Bachmann: Zur Geschichte der Juden in Bremervörde, in: Rotenburger Schriften 1991, Heft 74/75, S.144-151 (Die Familie Leeser).
  • Juden in Bremervörde (ohne Jahr): https://www.juedische-friedhoefe.info/files/Juedische%20Friedhoefe/Friedhoefe/Niedersachsen/Weser-Elbe-Dreieck/Bremervoerde/juden_brv2.pdf (Zugriff: 25.11.2025)
  • Anning Lehmensiek: Juden in Worpswede. Bremen 2014, Neuauflage 2025.

Anna Meta Gesine Lücke, geb. Wrieden

geboren am 20.Januar 1893 in Mevenstedt

gestorben am 14. April 1944 in Meseritz- Obrawalde

Anna Meta Gesine Lücke wurde am 20. Januar 1893 als Tochter der Emma Wrieden, geb. Schriefer und des ledigen Landarbeiters Johann Heinrich Stelljes geboren. Das Taufregister der Kirchengemeinde Worpswede verzeichnet eine Nottaufe („Kind ist bei der Taufe krank“) am 03. Februar 1893 im Elternhaus. Die Eltern sind als Taufzeugen vermerkt.

Sie besucht acht Jahre die Dorfschule und ist danach als Dienstmädchen beschäftigt.

Am 04. Juli 1927 wird Anna Meta Gesine Lücke, inzwischen verheiratet und Mutter von zwei Kindern, wohnhaft in Bremen, erstmals in die Bremer Nervenklinik eingewiesen. Diagnose: Hysterie.

Dem Anamnesebogen ist zu entnehmen, dass sie 1916 schwer an Typhus erkrankte und seit dieser Erkrankung täglich unter Kopfschmerzen litt. Ihre Arbeit konnte sie nicht mehr zu ihrer eigenen Zufriedenheit ausführen. Hinzu kam, dass sie ein Verhältnis mit dem Bruder ihres Dienstherren unterhielt, das dieser einseitig beendete. Nach ihrer Selbstauskunft hatte sie starke Erregungszustände und hörte Stimmen.

Ihr Ehemann, nach Aktenlage über 50 Jahre alt und arbeitslos, versucht vergeblich zu verhindern, dass seine Frau nach dem Gesetz über „unwerten Nachwuchs“ sterilisiert wird.

Am 03. Juni 1934 erfolgt die Sterilisation auf Geheiß des Erbgesundheitsgerichtes. In den folgenden Jahren wird Anna Meta Gesine Lücke mehrfach in die Bremer Nervenklinik eingewiesen, teils auf polizeiliche Anordnungen. So soll sie beispielsweise aus ihren marxistisch-kommunistischen Ideen keinen Hehl gemacht und diese auch verbreitet haben. Ein anderer Vorwurf lautet, dass sie die Teppiche im Hof klopfte „während der Führer eine Ansprache im Rundfunk hielt“.

Der Ehemann, 1937 verstorben, gab an, es mit seiner Frau wegen ihrer wahnhaften Ideen nicht mehr auszuhalten. Über das Schicksal und den Aufenthalt der Kinder ist den Verfassern nichts bekannt.

Fakt ist, dass Anna Meta Gesine Lücke am 26. April 1942 von Bremen in die Heilanstalt Uchtspringe, Sachsen-Anhalt, verlegt wurde.

Nach der Räumung der Heil- und Pflegeanstalt, angeblich aus Platzgründen, erfolgte die Überstellung in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde (heute Polen).

Anna Meta Gesine Lücke, geborene Wrieden, stirbt hier am 14. April 1944, angegebene Todesursache: allgemeiner Kräfteverlust.

Text: Brigitta Rehage (2025)

 

Quellen:

Archiv Krankenhaus-Museum Bremen: Krankenakte Nr. 17 659
Landkreis Osterholz: Kreisarchiv Osterholz
Kirchengemeinde Worpswede: Taufbuch 1887 – 1898, Nr. 21
Todeslisten Meseritz-Obrawalde
www.denkmalprojekt.org, Uchtspringe
Ortsarchiv Worpswede

Heinrich Mahnken

geboren am 01. August 1933 in Hüttenbusch

gestorben am 29. Mai 1942 in Lüneburg

Er war Opfer des nationalsozialistischen „Kinder-Euthanasie“-Programmes, durch das in den sogenannten Kinderfachabteilungen 5.000 geistig oder körperlich behinderte Kinder ermordet wurden, davon 300 bis 350 Kinder in der Kinderfachabteilung der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg. Sie starben an den Folgen von Mangel- und Fehlversorgung.

Heinrich Mahnken wurde am 01. August 1933 in Hüttenbusch als Sohn des Bauern Hermann Martin Mahnken und seiner Ehefrau Anna Meta Hedwig, geb. Stelljes, geboren. Am 20. August 1933 wurde er in der evangelischen Kirche zu Hüttenbusch getauft. Die Familie wohnte in Hüttenbusch im Ortsteil Hüttendorf (heute Worpswede).

Laut Krankenakte verlief die Schwangerschaft der Mutter „regelrecht“, die Geburt war „normal“. Die ersten drei Monate verliefen ohne Störungen. Heinrich lernte mit einem Jahr laufen. Allerdings sprach er nicht und blieb auch stumm. Aus diesem Grunde konnte er auch nicht eingeschult werden.

Seine körperliche Verfassung entwickelte sich „regelrecht“. Er verhält sich aber „meist gleichgültig, aber nicht boshaft. … er spielt für sich … ißt mit dem Löffel selbst … schläft gut.“ Der Osterholzer Amtsarzt attestiert dem Kind einen hohen Grad der Geisteskrankheit. „Zum Zwecke der Pflege und des Heilversuches“ wird Heinrich Mahnken am 05. August 1941 in die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission eingewiesen. Auf Veranlassung durch den Oberpräsidenten der Provinz Hannover wird er am 31. März 1942 in die Kinderfachabteilung der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg verlegt.

Bei der Aufnahme werden körperlich keine Besonderheiten festgestellt: „Herz o.B., Lunge o.B., Hals o.B.“. Er muss jedoch psychisch mit allem versorgt werden. Laut Krankenakte verschlechtert sich schon im April 1942 sein körperlicher Zustand – nur wenige Wochen nach seiner Einlieferung in Lüneburg. Im Mai ist er schon so geschwächt, dass er den ganzen Tag über schläft und am 28. Mai das Essen einstellt.

Heinrich Mahnken stirbt am 29. Mai 1942 in der Kinderfachklinik Lüneburg. Er wird laut Mitteilung an die Eltern am 01. Juni 1942 in Lüneburg begraben. Heinrich Mahnken wurde nicht einmal neun Jahre alt.

Text: Burckhard Rehage (2025)

 

Quelle:

Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: NLA Hann. 155 Lüneburg Acc. 56783 Nr. 312
Korrespondenz mit „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg

Johanne Mölders, geb. Hartgen

geboren am 12. August 1877 in Osterwede (Worpswede)

gestorben am 07. Februar 1944 in Meseritz-Obrawalde

Johanne Hartgen wohnte mit ihren Eltern und den drei Geschwistern in Osterwede Nr. 24 (heute Worpswede, Im Wiesengrund). Sie wurde am 12. August 1877 geboren. Die Eltern waren der Gärtner Franz Bernhard Hartgen und seine Ehefrau Dorothea, geb. Hage. Der Vater verstarb früh mit 49 Jahren, die Mutter mit 73 Jahren an Lungenentzündung. Die Familie Hartgen war römisch-katholisch und gehörte wahrscheinlich zur katholischen Kirchengemeinde Hemelingen.

Johanne wurde in die Volksschule Worpswede eingeschult und lernte gut. Nach der Schulzeit arbeitete sie bis zu ihrem 24. Lebensjahr als Dienstmädchen. Danach – bis zu ihrer Heirat – war sie als Packerin in einer Fabrik tätig. Am 19. Mai 1905 heiratete sie den Installateur Wilhelm Mölders, der im Ersten Weltkrieg 1917 bei der Schlacht vor Verdun fiel. Die Ehe war kinderlos, obwohl sich Johanne einer Operation unterzog. Während der Ehezeit war sie nach eigenen Angaben Hausfrau.

Von 1908 bis 1934 arbeitete Johanne Mölders in der Städtischen Badeanstalt Köln. 1934 tritt sie zurück, um einer jüngeren Arbeitskraft Platz zu machen.

Bei einem Brandbombenangriff am 31. Mai 1942 wird ihre Wohnung zerstört. Zunächst wohnt sie bei verschiedenen Bekannten. Ab 09. Dezember 1943 kommt sie bei ihrer Nichte in Twistringen in der Harpstedter Straße unter.

Seit dem Frühjahr 1941 tritt bei ihr ein zunehmendes Zittern, beginnend mit dem linken Arm, auf. Später sind auch der rechte Arm und das linke Bein betroffen. Früher war sie – nach eigenen Angaben – nie krank gewesen.

Am 13. November 1943 lässt sich Johanne Mölders auf eigenen Wunsch in die Bremer Nervenklinik einweisen. Befund: Statischer Schütteltremor. Sie „kam in der Hoffnung von ihrem Nervenleiden Heilung zu finden“ (aus der Krankenakte).

Nach einem schweren Bombenangriff auf Bremen am 27. November 1943, bei dem auch die Nervenklinik betroffen war, wird Johanne Mölders in das Kloster Blankenburg bei Oldenburg verlegt. Nur kurze Zeit später, am 09. Dezember 1943, wird sie mit einem Sammeltransport in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde (heute Polen) transportiert.

Dort stirbt Johanne Mölders am 07. Februar 1944, angeblich an „Hirnlähmung“.

Text: Burckhard Rehage (2025)

 

Quellen:

Archiv Krankenhaus-Museum Bremen: Krankenakte Nr. 13 309
Landkreis Osterholz: Kreisarchiv Osterholz
Todeslisten Meseritz-Obrawalde
Rehage, Burckhard: „Euthanasie“-Opfer aus Worpswede 1933 – 1945, in: Worpswede. Menschen, Bilder & Geschichten, Heft 4, Worpswede 2024, S. 49 – 67

Eberhard Osthaus

geboren am 30. Oktober 1900 in Hagen

gestorben am 16. April 1945 in Grasberg/Tarmstedt

Eberhard Osthaus wurde am 30. Oktober 1900 in Hagen als Sohn von Karl Ernst Osthaus und Gertrud, geb. Colsman, geboren. Er hatte drei Geschwister.

Sein Vater, Karl Ernst Osthaus, gilt als einer der wichtigsten deutschen Kunstmäzene und Kunstsammler des 20. Jahrhunderts. Er gründete das Folkwang-Museum in Hagen. Nach seinem Tod im Jahre 1921 wechselte das Museum nach Essen, wo es heute ein wichtiger Bestandteil der Museumslandschaft ist.

Eberhard und seine drei Geschwister wuchsen in der Villa Hohenhof in Hagen inmitten von Kultur und Kunst auf. Die Villa Hohenhof – heute Museum – wurde von 1906 bis 1908 von Henry van der Velde gebaut.

Seine Schulzeit verbrachte Eberhard Osthaus in Hagen und in Godesberg. Auf einem ostpreußischen Gut machte er eine landwirtschaftliche Ausbildung. Hier entstand wahrscheinlich auch die Idee, besondere landwirtschaftliche Maschinen, zum Beispiel Bodenfräsen, bauen zu wollen. In den Jahren 1920 und 1921 besuchte er in Worpswede Heinrich Vogelers „Arbeitsgemeinschaft Barkenhoff“, um hier mehr über Siedlungspläne, Selbstversorgung und ökologischen Landbau zu erfahren.

Nach dem Tod seines Vaters am 27. März 1921 übernahm er gemeinsam mit seiner Mutter Gertrud die Verantwortung für das Museum Folkwang und dann für den Verkauf 1922 an die Stadt Essen. Er übernahm den Hohenhof in Hagen und führte dort Versuche mit biologisch-dynamischen Getreidekulturen und Gemüseanbau durch. Gemeinsam mit den Siemens-Schuckert-Werken vertrieb er in Nordwestdeutschland und in den Niederlanden neuentwickelte Bodenfräsen.

Im Jahre 1928 verkaufte er den Hohenhof und richtete in Bremen unter dem Namen „Handweberei Hohenhagen Bremen“ eine Handweberei ein.

Mit den finanziellen Mitteln aus seiner Erbschaft kaufte er 1930 von Bernhard Hoetger dessen Villa in Worpswede, Hinterm Berg, wohin er für sich und seine Familie den Lebensmittelpunkt verlegte.

In den Jahren 1938 und 1939 kommt es in Worpswede zu einer Auseinandersetzung zwischen Eberhard Osthaus und dem Worpsweder Bürgermeister Bartke. An diesem Konflikt wird deutlich, dass der zurückgezogen lebende, eher großbürgerliche Osthaus nicht dem Bild eines „NS-Volksgenossen“ entsprach.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird Eberhard Osthaus vom Wehrdienst befreit und darf in Worpswede bleiben, um dort Maschinen für den Bau von Flugplätzen zu entwickeln. Erst im Oktober 1944 wird er als Soldat einer in Worpswede stationierten Flakeinheit zugeteilt. Er durfte weiterhin zu Hause wohnen, um dort seiner Ingenieurstätigkeit nachzugehen.

Am 16. April 1945, nur wenige Tage vor Kriegsende, erscheinen in der Hoetger-Villa ein Oberleutnant und ein Oberfeldwebel der Auffangtruppe für die Auffanglinie IV Abschnitt Rotenburg/Hannover. Diese Truppe hatte die Aufgabe, versprengte deutsche Soldaten nach Zeven zu bringen, um sie dort erneut wieder einsatzfähig zu machen. Nach einer Kontrolle der Papiere von Eberhard Osthaus – die wohl komplett in Ordnung waren – nehmen sie ihn trotzdem fest, um ihn nach Zeven zu transportieren. Auf der PKW-Fahrt dorthin simulieren diese einen Tieffliegerangriff zwischen Grasberg und Tarmstedt. Sie fordern Eberhard Osthaus auf, das Fahrzeug zu verlassen. Nur wenige Meter davon entfernt wird er erschossen.

Bei dem 1950 durchgeführten Prozess vor dem Bremer Schwurgericht, bei dem die beiden Wehrmachtsangehörigen angeklagt wurden, stellte sich heraus, dass von Anfang an klar war, Eberhard Osthaus darf Zeven nicht erreichen. Er soll vorher erschossen werden.

Die Gründe für diesen Mord blieben sowohl während des Prozesses als auch heute unklar. Die beiden Täter wurden wegen Totschlags zu Zuchthausstrafen verurteilt.

Eberhard Osthaus wurde auf dem Friedhof in Worpswede begraben.

Obwohl die Gründe für die Tat nicht geklärt sind, ist es ein Faktum, dass Eberhard Osthaus ein Opfer der NS-Zeit in Worpswede geworden ist.

Text: Burckhard Rehage (2025)

 

Literatur:

Rehage, Burckhard: Warum? Fragen zum Tod von Eberhard Osthaus im April 1945, in: Worpswede. Menschen, Bilder & Geschichten, Heft 4, Worpswede 2024, S. 81 – 101

Elise Otten, geb. Krabbenschmidt

geboren am 24. April 1886 in Ohrbeck

gestorben am 16. Juni 1941 in Hadamar

Elise Krabbenschmidt wurde am 24. April 1886 in Ohrbeck (heute Stadt Georgsmarienhütte bei Osnabrück) als Tochter der Eheleute Caspar August Ludwig Krabbenschmidt und seiner Ehefrau Anna Wilhelmine Sophie, geb. Tepe, geboren. Ob sie Geschwister hatte ist unbekannt. Auch über die Kindheit und Jugend ist nichts bekannt.

In den Archiven wird ihr Beruf mit „Haushälterin“ angegeben. Wann und warum sie nach Neu-Sankt-Jürgen gekommen ist, bleibt auch im Dunkeln. Wahrscheinlich kommt sie durch ihren Mann, den Anbauer Martin Otten, nach Neu Sankt Jürgen Nr. 34 a (heute Worpswede, Dorfstraße).

Laut Kirchenbüchern der evangelischen Kirchengemeinde Worpswede findet am 30. Juli 1920 die kirchliche Trauung als Haustrauung statt.

Aufgrund von „Manie mit Wahnideen“ wird Elise Otten am 19. August 1937 in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg aufgenommen. Im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen „Euthanasie“-Tötungsprogramm „T 4“ wird sie am 30. April 1941 in die Landesheilanstalt Herborn in Hessen verlegt. Aus dieser „Zwischenanstalt“ wird sie am 16. Juni 1941 mit weiteren 120 Personen in die Tötungsanstalt Hadamar transportiert. In der Regel wurden die Patienten solcher Transporte noch am Tag der Ankunft in die Keller der Anstalt geführt und dort in der Gaskammer ermordet. Das bekannte Datum des Transportes ist daher auch als Todesdatum anzunehmen.

Um die Angehörigen und auch andere Behörden zu täuschen, wurden oft falsche Todesdaten und Sterbeorte angegeben. So wird auch in der Sterbeurkunde der Elise Otten die Anstalt Hartheim in Österreich angegeben. Da Elise Otten in den Todeslisten der Anstalt Hadamar als Opfer vermerkt wurde, ist von der Ermordung in Hadamar auszugehen.

Es muss daher davon ausgegangen werden, dass Elise Otten, geb. Krabbenschmidt, am 16. Juni 1941 im Rahmen der „Aktion T 4“ in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurde.

Text: Burckhard Rehage (2025)

 

Quellen:

Niedersächsisches Staatsarchiv Hannover: Hann. Lüneburg Acc. 2004/66
Auszug aus Todeslisten 1941: Korrespondenz mit Gedenkstätte Hadamar, 2023
Korrespondenz mit „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg, 2022
Korrespondenz mit Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim/Österreich, 2023
Korrespondenz mit Kreimer-Selberg-Stiftung Hagen a.T.W., 2023
Kirchengemeinde Worpswede: Verzeichnis der Getrauten 1908 – 1935

Gabryla (Gabriela) Przygoda

geboren am 04. Januar 1945 in Bremen

gestorben am 18. März 1945 in Worpswede

Sie wurde nur zweieinhalb Monate alt. Gabryla (oder Gabriela) Przygoda wurde am 04. Januar 1945 in der Krankenanstalt zu Bremen geboren. Ihre Mutter war die polnische Zwangsarbeiterin Anna Przygoda (geboren am 05. Juni 1917). Diese arbeitete als „unverehelichte landwirtschaftliche Gehilfin“ auf einem Bauernhof in Meinershagen (heute Worpswede). Warum die Entbindung in Bremen stattfand, obwohl die Mutter im Kreis Osterholz arbeitete, ist ungeklärt. Auch ist über den weiteren Verbleib des Kindes nichts bekannt. Anna Przygoda war römisch-katholisch. Eintragungen in Kirchenbüchern konnten nicht gefunden werden.

Erst in der Sterbeurkunde des Standesamtes Worpswede vom 19. März 1945 gibt es einen weiteren Hinweis auf das Schicksal von Mutter und Kind. Danach verstarb Gabryla Przygoda am 18. März 1945 in Worpswede Nr. 12 (heute Bauernreihe). Der Tod des Kindes wurde durch die „Altbäuerin Johanne Monsees“ angezeigt.

Gabryla wurde auf dem Worpsweder Friedhof begraben (Grab Nr. A 623). Angegebene Todesursache: „Herzschwäche“.

Die Mutter, Anna Przygoda, heiratete nach Kriegsende am 23. Januar 1946 in Bremen-Blumenthal Wladyslaw Troska, geboren am 17. Mai 1921 in Wrzasawa/Polen. Dieser arbeitete vom 15. Juni 1940 bis 29. Mai 1945 als Zwangsarbeiter auf dem Hof des Bauern Monsees, Worpswede Nr. 12.

Es ist daher davon auszugehen, dass Wladyslaw Troska der Vater von Gabryla Pzygoda war und Kind und Mutter nach der Geburt in Bremen auf den Worpsweder Hof Monsees kamen. Ob sie auf dem Hof oder in dem Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, dem ehemaligen Schweinestall (heute Biomarkt) lebten, ist unbekannt.

Der weitere Lebensweg der Anna Przygoda ist unbekannt. Wladyslaw Troska ist nach Polen, nach Lodz, gezogen. Hier verliert sich seine Spur. Gabryla Przygoda steht hier stellvertretend für die vielen Kinder von Zwangsarbeiterinnen, die in ihren ersten Lebensmonaten starben.

Zwangsarbeiter*innen waren in der Regel in unserer Region in der Landwirtschaft oder als Haushaltshilfen verpflichtet. Sie ersetzten die Arbeitskräfte, die im Krieg eingesetzt waren. In der Landwirtschaft wurde am Kriegsende ca. 50 % der gesamten Arbeitsleistung von Zwangsarbeiter*innen oder Kriegsgefangenen geleistet. So wird wohl auf jedem zweiten Bauernhof unserer Region eine fremdländische Arbeitskraft tätig gewesen sein. Die Zwangsarbeiter*innen, insbesondere die sogen. Ostarbeiter*innen aus Polen und der Sowjetunion, waren „billige Arbeitskräfte“. Sie wurden schlecht versorgt, ihre sanitären und hygienischen Bedingungen waren oft katastrophal. Kinder von Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiterinnen waren ungewollt und wurden als „unproduktive Zugabe“ angesehen, die Nahrung, Betreuung und Ausstattung benötigten, die für die heimischen Kleinkinder vorgesehen waren. Auch schwächten sie die Arbeitskraft der Mütter. Entsprechend der geplanten Unterversorgung der Neugeborenen starben viele Kleinkinder in den ersten Monaten. In Bremen starben mindestens 116 Kinder von Zwangsarbeiterinnen in einem Alter von einem bis 642 Tagen.

Text: Burckhard Rehage (2025)

 

Quellen:

Standesamt Bremen: Geburtsurkunde 224/1945
Landkreis Osterholz: Kreisarchiv Osterholz, Sterbeurkunde Worpswede Nr. 18/1945
Arolsen Archives 02020203 167 u. 0661, Arolsen Archives 6.3.3.2 / 123014610 – 12314628
Arolsen Archives DocID 70718800 u. DocID 70718788
Leinen, Anna: „Kinderproblem“ – Die in Bremen geborenen Kinder von NS Zwangsarbeiterinnen, in: Bremisches Jahrbuch, Band 103/2024, Staatsarchiv Bremen, S. 183 – 214

Johanna Sanders, geb. Abraham

geboren 28. März 1870 in Worpswede

ermordet am 21. September 1942 in Treblinka

Johanna Sanders wurde am 28. März 1870 in Worpswede als Tochter des Viehhändlers Michael Abraham und seiner Frau Julie Behr geboren und ist mit neun Geschwistern in der heutigen Hembergstraße in Worpswede aufgewachsen. Mehrere Geschwister emigrierten Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA. Im Juli 1896 heiratet sie den Viehhändler Joseph Sanders. Die Familie lebte in Straelen (Niederrhein). Joseph und Johanna Sanders wurden am 25. Juli 1942 ab Düsseldorf nach Theresienstadt (Transport VII/2 Zug Da 71/Häftlingsnummern 851 u. 852) deportiert. Am 21. September 1942 erfolgte die Verlegung nach Treblinka (Transport BP Häft-lingsnummern 1330 und 1331). Die Ermordung erfolgte unmittelbar nach ihrer Ankunft.

Der gemeinsame Sohn Fred (September 1897 bis Juni 1981) überlebte die Shoa.

Johannas Schwestern Sophie Schwabe und Merri Leeser sowie die Schwägerin Rosa Abraham wurden ebenfalls ermordet.

Zum Gedenken an Johanna und Joseph Sanders wurden in Straelen, Mühlenstraße 10, Strolpersteine verlegt.

Text: Brigitta Rehage (2025)

 

Quellen:

Lehmensiek, Anning: Juden in Worpswede, Bremen 2014
Jüdische Opfer des Nationalsozialismus (Nettetal), de.wikipedia.org

Meta Scholz, geb. Wendelken

geboren am 30. August 1911 in Giehlermoor

gestorben am 15. Juni 1943 in Bremen

Meta Scholz wurde am 30. August 1911 in Giehlermoor, Landkreis Osterholz, geboren.

Nach ihrer Schulzeit arbeitete sie in verschiedenen Anstellungen als Hausmädchen in Vegesack, u.a. in der Gaststätte „Grauer Esel“.

Das Ehepaar Scholz benötigte wegen der schweren Erkrankung der Frau Scholz eine Haushaltshilfe. Meta Wendelken unterstützte den Oberbahnhofsvorsteher bei der Pflege seiner Frau bis zu deren Tod. 1933 heiratet sie den 58jährigen Witwer Karl Scholz.

Die Frühpensionierung des Ehemannes hat zur Folge, dass das Ehepaar die Dienstwohnung in Vegesack verlässt und nach Worpswede (Bahnhofstraße) zieht.

1935 wird die gemeinsame Tochter geboren.

Meta Scholz besucht jetzt häufig per Fahrrad „ohne Genehmigung“ des Ehemannes ihre Familie in Giehlermoor.

Die Versuche, aus der Ehe auszubrechen, werden von der Worpsweder Ärztin Dr. Lotz als „auffälliges Verhalten“ eingestuft. „Frau Scholz ist wandersüchtig, redesüchtig und m.E. schizophren“.

1940 erfolgt die Einweisung in die Bremer Nervenklinik „Ellen“.

Obwohl die Worpsweder Ärztin Meta Scholz erst vier Wochen kennt, beantragt sie beim Amtsarzt die Zwangssterilisation mit der Begründung, dass in der Familie mehrere Fälle von Geisteskrankheit vorliegen. Nachgewiesen wurden diese Fälle nicht.

Im Herbst 1940 schreibt Meta Scholz an ihre Familie: „Holt mich hier raus“. Dieser verzweifelte Hilferuf wird von ihrem Mann zum Anlass genommen, die Bremer Anstalt Ellen um Entlassung seiner Frau zu bitten, da er sich mit Kind, Haushalt und seiner Erkrankung überfordert fühlt. Er bittet quasi um Rückkehr seiner „Haushaltshilfe“.

Karl Scholz verweist darauf, dass die Erkrankung seiner Frau „eindeutig“ auf Inzucht rückführbar sei. Am 18. April 1941 wird die Zwangssterilisation angeordnet, mit der sicher der Ehemann einverstanden erklärt. Bis zur Operation ist eine Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt vorgesehen. Der angeordnete Eingriff in den Städtischen Krankenanstalten in der Sankt-Jürgen-Straße in Bremen (heute: Klinikum Bremen-Mitte) wird wegen „erhöhten Erregungszustands“ nicht durchgeführt. Frau Scholz wird wieder in die Bremer Nervenklinik Ellen verlegt.

Wiederholt schreibt sie an ihre Familie und berichtet von starken Hungergefühlen. Die Versorgungslage in den psychiatrischen Anstalten war schlechter als in anderen Krankenhäusern. Obwohl TBC als offizielle Todesursache angegeben wurde, kann man von einem allgemeinen körperlichen Verfall ausgehen, der durch Mangelernährung und Unterversorgung entstanden ist.

Am 15. Juni 943 verstirbt Meta Scholz in der Nervenklinik Ellen in Bremen.

Text: Brigitta Rehage (2025)

 

Quellen:

Archiv Krankenhaus-Museum Bremen: Krankenakte Nr. 175 88
Engelbracht, Gerda: „Indirekt bin ich schuld“. Annäherungen an Meta Scholz 1911 – 1943, in: Tischer, Achim (Hrsg.): Brauchen wir ein Mahnmal? Zur Erinnerung an die Psychiatrie im Nationalsozialimus. Bremen 2000, S. 11 – 31

Sophie Schwabe, geb. Abraham

geboren am 05. Oktober 1879 in Worpswede

gestorben am 14. März 1942 in Theresienstadt

Sophie Schwabe war das jüngste von zehn Kindern des Ehepaares Michael und Julia Abraham geb. Behr. Mit ihren Geschwistern wuchs sie in bürgerlichen Verhältnissen in der Worpsweder Hembergstraße auf. Die Heirat mit August Schwabe erfolgte am 26. März 1905 in Vegesack, wo das Paar gemeinsam ab August 1931 die bekannte Gastwirtschaft „Lloydhalle“ in der Rohrstraße betrieb. Das Lokal war sehr beliebt, da man hier seinen eigenen Kaffee aufbrühen konnte. 1906 wird die Tochter Mary geboren, mit der Sophie Schwabe nach dem Tod ihres Mannes 1932 die „Lloydhalle“ weiter betreibt.

Die Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte und Betriebe führten dazu, dass die Schließung des Lokals unausweichlich war. Eine Zwangsversteigerung folgte, da die Hypothekenzinsen nicht mehr bedient werden konnten. Die Frauen zogen in den Doventorsteinweg, Bremen. Mary arbeitete zunächst als Hausangestellte. Im November 1938 gelang es ihr, in die USA zu emigrieren, wo seit über 20 Jahren Brüder ihrer Mutter lebten. Sophie Schwabe musste ab Oktober 1941 in den „Judenhäusern“ leben. Zunächst war sie in der Feldstraße untergebracht und dann zusammen mit ihrer Schwester Merri Leeser und der Schwägerin Rosa Abraham in Bremen-Walle. Die drei lebten dort bis zu der gemeinsamen Deportation im Juni 1942 in das Ghetto Theresienstadt. Sophie Schwabe überlebt die Shoa nicht und stirbt am 14. März 1943 in Theresienstadt.

Seit 2012 befindet sich ein Stolperstein für sie in der Rohrstraße in Bremen-Vegesack.

Text: Brigitta Rehage (2025)

 

Quellen:

Lehmensiek, Anning: Juden in Worpswede. Bremen 2014
www.stolpersteine-bremen.de, abgerufen am 04. Dezember 2024

Meta Siemers, geb. Viohl

geboren am 22. September 1902 in Osterwede

gestorben am 13. Dezember 1943 in Meseritz-Obrawalde

Meta Viohl wurde am 22. September 1902 in Osterwede (heute Worpswede) geboren. Ihre Eltern waren Georg Viohl und seine Ehefrau Anna Gesine Viohl, geb. Viohl. Meta wurde am 19. Oktober 1902 in der evangelischen Zionskirche in Worpswede getauft.

Meta Viohl hatte nach Angaben der Mutter neun Geschwister, von denen sechs Kinder lebend zur Welt kamen. Meta war das zweite Kind der Eheleute. Die Familie lebte zur Zeit der Geburt in Worpswede-Osterwede Nr. 12 (heute Osterweder Straße). Sie wurde in Worpswede in die Volksschule eingeschult. Nach der Schulentlassung arbeitete sie in einer Jutespinnerei.

Die Familie Viohl zog 1910 oder 1911 nach Bremen in die Osterholzer Landstraße 51, später dann in die Starnberger Straße 11.

Am 04. August 1923 heiratete Meta Viohl in Bremen den Arbeiter Max Siemers (geboren am 08. Oktober 1900 in Ottenstein, Kreis Altona). Ihr gemeinsamer Sohn Max Georg Siemers wurde am 06. September 1925 in Bremen geboren.

Im Alter von 20 Jahren erkrankte Meta Siemers an einer Hirnhautentzündung, was zu Muskelsteifheit und zu Bewegungsstörungen führte. Die Beeinträchtigungen waren derart gravierend, dass sie bereits im Jahre 1923 die Voraussetzungen für den Bezug einer Invalidenrente erfüllte.

Am 14. November 1935 wird sie laut Krankenakte „mit dem Sanitätswagen, weinend auf der Trage“ liegend und angeblicher Suizidgefährdung in die Bremer Nervenklinik eingeliefert, da sie zu Hause bei Ehemann und Kind nicht mehr versorgt werden konnte.

Im Verlauf des Klinikaufenthaltes verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Ein vom Ehemann beim Amtsgericht Bremen im Januar 1936 angestrebtes Entmündigungsverfahren wird abgelehnt.

Ihr Ehemann war arbeitslos geworden. Am 06. November 1936 wird ihre Ehe geschieden.

Nach der Bombardierung der Bremer Nervenklinik Ende November 1943 wird Meta Siemers am 09. Dezember 1943 in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde (heute Polen) „verlegt“. Ihre Deportation überlebte sie nur wenige Tage und verstarb am 13. Dezember 1943 angeblich an „Erschöpfung“.

Meta Siemers wurde 41 Jahre alt. In der Starnberger Straße 11 in Bremen wurde für sie ein Stolperstein verlegt.

Text: Peter Christoffersen/Burckhard Rehage (2025)

 

Quellen:

Archiv Klinikum Bremen-Ost, Krankenakte 17588
Landkreis Osterholz: Kreisarchiv Osterholz: Geburtsurkunde
StA Bremen Einwohnermeldekartei
Kirchengemeinde Worpswede: Verzeichnis der Getauften 1902, Nr. 95
Todeslisten Meseritz-Obrawalde
Christoffersen, Peter/ Johr, Barbara (Hrsg.): Stolpersteine Bremen. Biografische Spurensuche Findorff/Walle/Gröpelingen. Bremen 2019

Walter Steinberg

geboren am 07. Juli 1871 in Verden

gestorben am 19. August 1942 in Theresienstadt

Walter Steinberg wurde 1871 in Verden als Sohn einer Kaufmannsfamilie jüdischer Konfession geboren. In Bremen etablierte er sich als erfolgreicher Herrenschneidermeister. In Kreisen der Bremer Prominenz wie auch unter Worpsweder Kunstschaffenden galt der Steinbergsche Meisterbetrieb bald als erste Adresse für Schneiderarbeiten.

Um 1924 lernte Walter Steinberg Elisabeth Hering kennen. 1884 in Gelsenkirchen geboren und aus einer Bergmannsfamilie stammend, war sie in den 1910er Jahren nach Bremen gegangen und arbeitete dort als Verkäuferin im Textilbereich. Aus einer früheren Beziehung hatte sie eine Tochter. Ab 1925 führte sie ein eigenes Textilgeschäft.

Walter Steinberg und Elisabeth Hering wurden und blieben ein Paar.

1926 erwarb Walter Steinberg für seine Lebensgefährtin und sich ein Sommerhaus mit angrenzendem privaten Tennisplatz in der Hembergstraße in Worpswede. Zahllose Tennispartien mit Worpsweder Freundinnen und Freunden fanden dort statt. Als Kunstkenner und Mäzen pflegte Walter Steinberg Kontakte zu Kunstschaffenden am Ort und erweiterte beständig seine wertvolle Kunstsammlung. Anzunehmen ist, dass auch Elisabeth Hering in dieser Zeit mit dem Erwerb von Kunst begonnen hatte und die Sammlung erweiterte.

Vermutlich 1933 zog sie zu Walter Steinberg in dessen Bremer Wohnung. Über Heiratspläne ist nichts bekannt, jedoch hätten die „Nürnberger Rassengesetze“ von 1935 ohnehin nicht nur eine Heirat unmöglich gemacht. Die Gesetze verboten ihre Partnerschaft grundsätzlich als sogenannte „Rassenschande“, weshalb das Paar in ständiger Bedrohung lebte.

Walter Steinberg traf die NS-Politik mit voller Härte. Zu den unzähligen antisemitischen Repressionen kamen die sogenannten „Judenboykotte“ – auch gegen seine Schneiderei. Die Zahl der anfangs noch dreißig Angestellten verringerte sich zusehends.

In der Reichspogromnacht am 09. November 1938 wurde nicht nur Walter Steinbergs Bremer Geschäft schwer beschädigt, er wurde auch verhaftet, einen Tag später ins Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt und dort für mehrere Wochen inhaftiert.

Er überschrieb das Bremer Geschäfts- und Wohnhaus Am Wall 170 seiner Lebensgefährtin. Und 1939, ein Jahr nach dem Pogrom, bemühte er sich, auch das Worpsweder Haus an Elisabeth Hering zu übertragen. Dies gelang jedoch nicht. Die NS-Behörden erkannten den zu diesem Zweck aufgesetzten Kaufvertrag nicht mehr an. Auch ein privater Schenkungsvertrag blieb wirkungslos.

Am 23. Juli 1942 wurde Walter Steinberg nach Theresienstadt deportiert. Dort nahm er sich eine Woche nach seiner Ankunft das Leben.

Seine Lebensgefährtin Elisabeth Hering blieb allein in Bremen zurück.

Am 23. Juli 1943 hielt sie in ihrer Wohnung eine politische Versammlung mit insgesamt sieben Personen ab – am gleichen Tag, an dem Walter Steinberg genau ein Jahr zuvor deportiert worden war. Aufgrund einer Denunzierung durch eine mutmaßliche Gestapo-Agentin wurden alle Anwesenden verhaftet.

Elisabeth Hering blieb in Haft. Sämtliches Hab und Gut wurde unter Federführung des Bremer „Judenreferenten“ Bruno Nette eingezogen und öffentlich versteigert, von den Gemälden bis hin zur Wohnungseinrichtung.

Ähnliches spielte sich in Worpswede ab. Auch hier wurde die Kunstsammlung öffentlich versteigert, das komplette Wohninventar einem „bombengeschädigten Herrn R., Bremen“ übereignet.

Das Worpsweder Wohnhaus war von den Bremer NS-Behörden bereits ein Jahr zuvor, kurz nach Walter Steinbergs Deportation, beschlagnahmt worden.

1944 erfolgte die Übertragung des Hauses an die Gemeinde Worpswede zwecks Einrichtung einer Dienstwohnung für den Bürgermeister.

Für Walter Steinberg wurde in Bremen, Am Wall 170, ein Stolperstein verlegt!

Elisabeth Hering wurde nach Auschwitz deportiert, vermutlich als „politischer Häftling“. Sie starb dort am 28. September 1944.

Text: Barbara Millies (2025)

Quellen:

Hugo Hering am 28.05.1959.10 StA Stade, Rep. 171 Verden NR. 173
Anning Lehmensiek: Juden in Worpswede. Donat Verlag, Bremen 2014
Barbara Millies: Inmitten. Spuren des Nationalsozialismus in Worpswede, heute. Kellner Verlag, Bremen 2021
Bernhard Nette: »Vergesst ja Nette nicht!« Der Bremer Polizist und Judenreferent Bruno Nette: VSA Verlag, Hamburg 2015
Kornelia Renemann: Walter Steinberg, *1871. In: Stolpersteine Bremen 2015, URL: https://www.stolpersteine-bremen.de/detail.php?id=29 (abgerufen am 01. Dezember 2025)

Anna Stelljes

geboren am 04. Oktober 1907 in Überhamm

gestorben am 16. Juni 1941 in Hadamar

Anna Stelljes wurde am 04. Oktober 1907(lt. Geburtsurkunde 05. Oktober) in Überhamm, jetzt Worpswede, als Tochter des Zimmermanns Hinrich Stelljes und seiner Ehefrau Gesine, geb. Gerken, geboren. Die Taufe erfolgte am 03. November 1907 in der Zionskirche Worpswede.

Die Familie wohnte in Überhamm (heute Worpswede).

1937 hält der Amtsarzt des Landkreises Osterholz die Unterbringung der jungen Frau in einer geschlossenen Anstalt für unerlässlich. Die Begründung: Seit ihrem 17. Lebensjahr sei sie seelisch gestört und ihre Mutter – inzwischen Witwe – werde mit ihr „nicht mehr fertig“.

Es werden einige Anzeichen für eine Geistesstörung aufgezählt, die die Unterbringung in einer Klinik rechtfertigen sollen. „ A. Stelljes leidet an Geisteskrankheit mit Willensstörung und nach ärztlicher Erfahrung mit Sinnestäuschungen . ……. es kann jederzeit mit Erregungsausbrüchen gerechnet werden, in welchen sie zu gemeingefährlichen und unverantwortlichen Handlungen neigt.“ (Amtsarzt Dr. S.)

Am 10. November 1937 um 17.15 Uhr wird Anna Stelljes in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg aufgenommen. Diagnose: Schizophrenie.

Der Antrag auf Sterilisation beim Erbgesundheitsgericht Lüneburg erfolgt im Dezember 1937.

Am 06.Mai 1940 wird vom Staatlichen Gesundheitsamt des Kreises Osterholz angefragt, ob eine Unfruchtbarmachung der Anna Stelljes inzwischen erfolgte. Das Erbgesundheitsgericht in Lüneburg antwortet darauf am 30. Mai 1940, dass ein Eingriff im Städtischen Krankenhaus Lüneburg nicht erfolgen konnte, weil der „ Geisteszustand es noch nicht zulässt.“ (Anmerkung: Die Städtischen Kliniken waren auf Patientinnen mit „Unruhezuständen“ nicht eingerichtet)

Am 30. April 1941 wird Anna Stelljes von Lüneburg in die „Zwischenanstalt“ Landes-Heilanstalt Herborn verlegt.

Am 16. Juni 1941 erfolgt der Transport in die Landesheilanstalt Hadamar. Hier wird Anna Stelljes wohl noch am selben Tag in den Gaskammern ermordet. Die Landesheil- und Pflegeanstalt Hadamar in Mittelhessen gehörte zu den im Rahmen des sog. T-4-“Euthanasie“-Programmes zu den sechs Tötungsanstalten, in denen Gaskammern und Krematorien errichtet wurden.

Text: Brigitta Rehage (2025)

 

Quellen:

Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover: Hann. 138 Lüneburg Acc.103/88 Nr. 449
155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 09542
Korrespondenz Hadamar: Auszug aus Todeslisten „Personen 1941“, 11. Januar 2023
Landkreis Osterholz: Kreisarchiv Osterholz
Kirchengemeinde Worpswede: Taufbuch 1898 – 1910, Nr. 100
Ortsarchiv Worpswede

Johann Viohl

geboren am 15. März 1911 in Worpswede

gestorben am 05. Februar 1944 in Meseritz-Obrawalde

Der Stellmacher Johann Viohl, Sohn des Anbauers Martin Johann Dietrich Viohl und seiner Ehefrau Anna Sophie, geb. Hauschildt, wurde am 15. März 1911 in Worpswede geboren. Er wohnte in Ostendorf Nr. 55 (heute Worpswede, Buchenweg). Seine Taufe fand am 23. April 1911 in der evangelischen Zionskirche Worpswede statt. Über seine Kindheit, Jugend und Ausbildung ist nichts bekannt.

Aus der Krankenakte geht hervor, dass Johann Viohl später wohnungslos war und auch bis Anfang 1943 eine siebenmonatige Gefängnisstrafe verbüßen musste, wahrscheinlich wegen Diebstahls. Während des Gefängnisaufenthaltes treten bei ihm starke Schmerzen in beiden Beinen auf. Aus diesem Grunde wird er nach seiner Entlassung am 05. Februar 1943 in die Städtische Krankenanstalt Bremen aufgenommen. Diagnose der dortigen Ärzte: „Multiple Sclerose und Kleptomanie. Der Patient hat während seines Aufenthaltes hier seine kleptomanischen Züge einige Male bewiesen ….“.

Johann Viohl wird am 08. März 1943 in die Bremer Nervenklinik überwiesen. Diagnose hier:

„Multiple Sclerose und Debilität“.

In der Klinik fällt Johann Viohl nicht auf, arbeitet in der Kartoffelschälerei. Am 27. Juli 1943 wird ihm ein „Pfleger“ zugeteilt. Auch wird ein Antrag auf Invalidenrente gestellt. In der Antragsbegründung heißt es: „Nach wissenschaftlichen Erfahrungen ist im Allgemeinen nicht mit einer Besserung des Zustandes zu rechnen, eher mit einer Verschlechterung.“

Am 09. Dezember 1943 wird Johann Viohl in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde (heute Polen) deportiert. Hier stirbt er am 05. Februar 1944. Angegebene Totesursache: Geisteskrankheit, Multiple Sclerose.

Text: Burckhard Rehage (2025)

 

Quellen:

Archiv Krankenhaus-Museum Bremen: Krankenakte Nr. 11 111
Kirchengemeinde Worpswede: Taufbuch 1910 – 1930
Landkreis Osterholz: Kreisarchiv Osterholz
Todesliste Meseritz-Obrawalde Nr. 488/1944

Weiterführende Literatur

Hans-Roland Becker: Foto-Dokumentation Gegen das Vergessen
Handout zur Ausstellung 2025

Anning Lehmensiek: Juden in Worpswede.
Bernd Küster und Harro Jenss (Hrsg.), Bremen 2026

Barbara Millies: Inmitten. Spuren des Nationalsozialismus in Worpswede, heute.
Bremen 2021

Burckhard Rehage: „Euthanasie“-Opfer aus Worpswede 1933 – 1945
in: Worpswede – Menschen, Bilder & Geschichten, Heft 4/2024, Schriftenreihe Heimat- u. Geschichtsverein Worpswede

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